Chronik

Die Geschichte der Sportfreunde Eintracht Gevelsberg e.V. 1877 haben Vereinsmitglieder in eindrucksvoller Weise nachgeforscht, dokumentiert und aufgeschrieben. Diese möchten wir im Zeitraffer wiedergeben:

Gründung

Sie beginnt 1877 bei Westermann „Op de Trappe“ mit der Überlegung, ob ein Turnverein oder ein Gesangverein gegründet wird. Wir wissen, die Entscheidung fällt auf den Turnverein. Es ist nicht mehr nachzuvollziehen, ob zu wenig gute Sänger anwesend waren oder die Umsetzung der Gedanken von „Turnvater Jahn“ im Vordergrund standen.

Gegründet wird der TV Eintracht Gevelsberg, doch auch die Sänger sind tätig und heben ein Jahr später den Gesangverein „Harmonie“ aus der Taufe. In den Folgejahren gründen sich noch weitere Vereine, insbesondere mit sportlichem Schwerpunkt.

Vereinssport in Gevelsberg

1891 wird das Turnfest des Märkischen Turngaus in Gevelsberg ausgerichtet. Zwei Jahre später gründet sich dann der TV Jahn. Im Jahre 1898 werden die vaterländischen Gedanken von Friedrich Ludwig Jahn von den Turnvereinen übernommen. Schnell beginnt die Bewegung zu wachsen und erzielt eine große Breitenwirkung. Der Aufschwung des Vereins hält auch in den folgenden Jahren an. Der Sport profitiert nicht zuletzt durch seine gesellschaftliche Anerkennung, die sich u. a. darin ausdrückt, dass 1906 Turnen an den Schulen zum Pflichtfach erhoben wird.

Sportstätten entstehen erst später und bestehen meist aus Sälen in Gastwirtschaften, in denen nur wenige Geräte aufgebaut sind. Vom ersten Tag des Bestehens verfolgt der Vorstand das Ziel, eine Turnhalle zu bauen. Dafür wird ein finanzieller Grundstock gebildet, der bei der Sparkasse eingezahlt wird. Das Kapital wächst zwar kontinuierlich, doch der Betrag reicht bei weitem nicht aus und so setzt die Stadt im Interesse aller Vereine den geplanten Bau einer Turnhalle um, die im Jahr 1900 fertig gestellt wird. Sie steht noch heute an der Jahnstraße, wird nunmehr aber industriell genutzt und ist als Turnhalle nicht mehr zu erkennen.

Das Turnen ist bis zum 19. Jahrhundert ein Männersport. Der TV Jahn gründet erst 1911 die Abteilung Frauenturnen.

TV Eintracht Jahn

1914 bricht der erste Weltkrieg aus, der „das Vereinsleben stark veränderte“, wie die Chronisten schreiben. Viele Männer werden zum Kriegsdienst eingezogen. Die Gesamtmitgliederzahl sinkt rapide, bis der Turn– und Sportbetrieb zu dem mittlerweile auch Fußball gehört, dann völlig zum Erliegen kommt.

Unter diesen Kriegswirkungen leiden natürlich auch alle anderen Vereine, die sich nach entsprechenden Partnern umsehen, um durch Fusion überleben zu können. Die durch die Wirtschaftskrise und Inflation zusätzlich ausgelösten Schwierigkeiten können durch Zusammenschlüsse erfolgreich überwunden werden. Nach Kriegsende wird der Turnbetrieb wieder aufgenommen und es kommt 1919 zu einer Fusion mehrerer Vereine. Der TV Eintracht steigt nach nur einem Jahr wieder aus und findet mit dem TV Jahn im Jahr 1920 einen geeigneten langfristigen Partner. Es bildet sich somit der TV Eintracht-Jahn, der den Grundstock für den heutigen Großverein bildet.

Anfang der 20-er Jahre wird auch in unserem Verein Handball gespielt. Wo genau die Wurzeln des Handball-Spiels liegen ist zwar bis heute umstritten, Prof. Schelenz gilt jedoch als der Erfinder des deutschen Feldhandballs (er hatte zuvor während der Kriegszeit in einer dänischen Halle beobachtet, wie Turnerinnen mit einem Fußball nach einfachen Regeln mit der Hand spielten) und machte die Sportart 1936 sogar olympiareif. In Gevelsberg wird auf dem Heidesportplatz gespielt, auf dem heute bereits seit einigen Jahren Wohnungen stehen.

Schwierige Zeiten

Mit der Machtübertragung an die NSDAP im Januar 1933 bricht für die Sportvereine erneut eine schwierige Zeit an. Die Gleichschaltung mit NSDAP und Hitler-Jugend sowie die Ausrichtung auf den Hauptzweck der Wehrertüchtigung wirft die Vereine zurück. Die Mitgliederzahlen sinken wieder drastisch. Kinder unter 10 Jahren dürfen nicht mehr aufgenommen werden. Turner müssen auf Anordnung der NSDAP an Wehrsportübungen teilnehmen. Die Partei bildet Wehrsportriegen, die der SA unterstehen. Auf der Geer entsteht der Sportring 33 mit einer Handballmannschaft, die bereits 1937 in die Gauliga aufsteigt. Eine Klasse tiefer spielen die TV Eintracht-Jahn.

Während des 2. Weltkrieges muss der Turnbetrieb stark reduziert werden. Die Handballer verstärken sich mit Jugendspielern oder mit Spielern aus benachbarten Vereinen, die nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Im Jugendbereich wirken sich die Erfolge der Seniorenmannschaften positiv aus. „Auf der Geer“ und „auf der Heide“ wird auf hohem Niveau gespielt. Die B-Jugend vom TV Eintracht-Jahn wird sogar Gaumeister – das entspricht in etwa einem Westfalenmeister.

Es wird der Zentralverein (ZSV) VfL Vorwärts Gevelsberg mit den selbständigen Abteilungen: Oberstadt, Lichtenplatz und Vogelsang gründet. Hierin geht auch der TV Eintracht-Jahn auf.

Neue Impulse

Nach Kriegsende erhält der Sport jedoch neue Impulse, denn man verzichtet auf die Gründung und den Fortbestand der Arbeitervereine. Der ZSV löst sich 1946 wieder auf und es gründen sich wieder die alten Vereine. Die Abteilungen machen sich selbständig und es erfolgt eine stärkere Ausrichtung an den Fachverbänden. Aus der Abteilung Oberstadt wird der TUS Eintracht-Jahn und aus Lichtenplatz werden die Sportfreunde Gevelsberg. Der neue Name TUS (statt TV) ergibt sich, weil die Fußballer –aufgrund der Größe– mittlerweile eine eigene Abteilung innerhalb des Vereins bilden. Handball wird zwar weiterhin im Verein gespielt, doch im Sinne der Ausrichtung nach Fachbereichen entsteht bei den „Sportfreunden“ ein separater Handballbereich. Die „Sportfreunde“ eilen von Erfolg zu Erfolg und nach der westdeutschen Meisterschaft 1946 schaffen sie sogar die Interzonen-Meisterschaft. „Auf der Heide“ bildet sich ebenfalls ein starkes Team, das 1946 in die Südwestfalenliga aufsteigt.

Im Allgemeinen entwickeln sich Sportvereine zum Zentrum in der Freizeit. Das gesellschaftliche Leben spielt sich im Verein ab.

Besondere Erfolge

Neben den Handballern sind in den Nachkriegsjahren insbesondere die Leichtathleten, die sich –aus dem Turnen heraus– zur eigenen Abteilung entwickelt haben, mit Meisterschaften auf überregionaler Ebene sportlich erfolgreich. Gekrönt wird der Erfolg mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki im 1500-Meter-Lauf von Werner Lueg, der mit einer Zeit von 3 Min. 43,0 Sek. auch den Weltrekord einstellt.

Im Jahr 1952 gründet der TUS Eintracht-Jahn eine Basketballabteilung, die in den ersten Jahren bis zu den Westfalenmeisterschaften vordringt. Die Turner erleben einen Boom und führen über Jahre hinweg die Spitze an. Der damals bekannte Bannerwettkampf geht stets an die Gevelsberger. Doch im Feldhandball zeichnet sich, wegen der positiven Entwicklung des Hallensports, eine Krise ab. Nach den Erfolgen der A-Jugend (1949 westfälischer Meister; zum Endspiel in Bommern fährt ein Sonderzug; 1100 Zuschauer) und dem dreimaligen Gewinn der Südwestfalenmeisterschaft der ersten Mannschaft, kommt es zum Zusammenschluss der Handballer von Eintracht-Jahn und den Sportfreunden Gevelsberg unter dem Namen Vereinigte Sportfreunde Gevelsberg. Gemeinsam bietet man nun den Spitzenmannschaften, in denen meist auch Nationalspieler aufgeboten waren, erfolgreich Gegenwind. Den Fußballern gelingt dank erfolgreicher Jugendarbeit 1962 der Aufstieg in die Bezirksliga. Die Vereinigten Sportfreunde gründen 1963 eine Skiabteilung, die zu den größten im westdeutschen Skiverband zählt.

Güte– und Markenzeichen „SEG“

Anfang der 70-er Jahre kommt es dann zu verstärkten Gesprächen zwischen den Vorständen von TUS Eintracht-Jahn und den Vereinigten Sportfreunden Gevelsberg. Das Ziel ist die Verschmelzung zu einem Gevelsberger Großverein. Am 05. März 1975 ist es endlich soweit, der neue Verein Sportfreunde Eintracht Gevelsberg e.V. 1877, kurz „SEG“, entsteht. Sechs selbständige Abteilungen (Basketball, Fußball, Handball, Leichtathletik, Skifahren, Turnen) zählen insgesamt 700 Mitglieder. Das eingeführte Kürzel „SEG“ wird schnell zu einem bekannten Güte– und Markenzeichen.

Auf den neuen Vorstand wartet schon zu Beginn eine große Herausforderung. Das 100-jährige Bestehen. Mit DM 400,00 Grundkapital nach der Fusion und gesicherten DM 1.000,00 aus Spenden wagen die Verantwortlichen ein großes Fest. Pünktlich zum Jubiläum wird im Schulzentrum West die neue Halle fertig gestellt und dem großen Festabend in vollbesetzter Halle schließt sich eine Festwoche mit einem Höhepunkt nach dem anderen an:

Deutsche Meister, Weltmeister und Olympiasieger geben sich bei den verschiedenen Veranstaltungen die Hand.
Mit der neuen Halle bekommt der Verein bessere Trainings– und Übungsmöglichkeiten, so dass die Basketballer und Handballer in sportartgerechten Hallen spielen können. Bei diesen Voraussetzungen steigt die Mitgliederzahl sehr schnell, insbesondere im Jugendbereich, an. Aufgrund großer Nachfrage werden 1975 die Abteilungen Volleyball und 1981 die Abteilung Badminton gegründet. Zwischenzeitlich kann 1980 kann das 1000-ste Vereinsmitglied begrüßt werden. Im Jahr 1985 kann der Bereich Pool-Billard erfolgreich in den Verein integriert werden. Die „Schwarze Acht“ der SEG überzeugt in der Folgezeit nicht nur durch spielerische Erfolge, sondern leistet auch eine hervorragende Jugendarbeit, die u. a. durch mehrere Landes-, Deutsche– und Europameistertitel belohnt wird.

Gesundheitssport

Bis in die 80-er Jahre kennt noch niemand den „Gesundheitssport“, da Sport nach allgemeiner Meinung etwas für junge und gesunde Menschen sei. Wie wichtig jedoch die Rehabilitation und die Prävention für bestimmte Personenkreise ist, belegen die vielen Veröffentlichungen in allen maßgebenden Publikationen. 1986 kommt es mit 8 Personen zur Gründung einer Gruppe „Sport in der Krebsnachsorge“. Heute zählt die Gruppe über 50 Mitglieder, die auch im außersportlichen Bereich sehr aktiv sind. 1991 nimmt die Gruppe „Bewegung und Sport bei Diabetes“ den Übungsbetrieb auf.

Mit über 20 Mitgliedern bildet die Gruppe einen festen Bestand und auch hier wird neben dem Sport viel unternommen. Wie die genannten Gruppen entstand auch die Maßnahme „Herz-Kreislauf-Prävention“ aus einem Projekt des Landessportbundes in Zusammenarbeit mit bekannten Universitäten des Landes. Im späteren Verlauf kamen noch weitere Gruppen hinzu.

Die Übungsleiter aller Gruppen sind besonders geschult und haben eine Sonderlizenz für die jeweilige Gruppe. Darüber bilden sie sich in regelmäßigen Fortbildungen weiter. Eine Betreuung, bei der sich die Mitglieder wohl fühlen.

Eigene Wege

In der Zwischenzeit wuchs die Mitgliederzahl im Bereich Skifahren enorm, so dass 1988 die Entscheidung fiel, diese Abteilung (ca. 800 Mitglieder) vom Verein abzutrennen und einen eigenen Skiclub zu gründen. Ähnliche Gründe und der Hauptgedanke, einen Verein zu gründen, der für diese Sportart zukunftsweisend ausgerichtet ist, führte im Dezember 2004 zur Trennung von der Abteilung Fußball. Der Ausbau des Stadions Stefansbachtal zum WM-Stützpunkt mit einem Natur– und Kunstrasenplatz, war das geeignete Signal, mit dem VFL Gevelsberg als dann neuer Verein FSV Gevelsberg.

Neue Wege

Auch ohne die Skifahrer und später auch die Fußballer steigt der Bedarf an Übungseinheiten immer weiter. Das Leistungsangebot innerhalb des Vereines und die Zahl der aktiv am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften wächst ständig. Ende 1998 kann mit der Stadt Gevelsberg ein Pachtvertrag für das Grundstück und das Gebäude Neustraße 15 (inkl. Geräte und Inventar) geschlossen werden. Die Stadt gestattet dem Verein u. a. innerhalb des Gebäudes einen Gymnastikraum, ein Fitness-Studio, eine Sauna, ein Jugendraum und einen Verwaltungsraum für die Geschäftsstelle zu unterhalten. Mit den Umbauarbeiten wird zügig begonnen. Zunächst kann die Fertigstellung der Geschäftsstelle gefeiert werden und im Jahr 2001 folgt letztendlich der Fitness-Bereich. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle den vielen freiwilligen/ehrenamtlichen Helfern, ohne die dieses Großprojekt nicht hätte realisiert werden können. Die Abteilung Fitness kann somit erfolgreich eröffnet werden. In diese, für die Prägung der Außenwirkung des Vereins, wichtige Phase vor der Jahrtausendwende fällt auch die Entscheidung zur Gründung eines Fördervereins. Schwerpunkt der Arbeit sind die Jugendarbeit und die Förderung jedweder Belange des Vereins (z. B. Ausbildung von Übungsleitern, etc.) bis hin zur Durchführung geselliger Veranstaltungen.

In sportlicher Hinsicht kann im September 1999 eine Kooperationsvereinbarung mit dem TV Silschede 1891 geschlossen werden. Aus dieser Verbindung resultiert die Fortsetzung der erfolgreichen Handballtradition in Form der Handballspielgemeinschaft (HSG) Gevelsberg-Silschede. Eine vergleichbare Erfolgsgeschichte zeichnet sich im Leichtathletikbereich ab, wo durch Kooperation mit mehreren Vereinen im Rahmen der LG-Ennepe-Süd Spitzenplätze auf Landesebene und der Titel „Deutschlands Supersprinter“ erreicht werden.

Gut gerüstet und innovativ

Veränderte gesellschaftliche Werte und ein neues Freizeitverhalten der Menschen erfordern von einem modernen Sportverein mit Blick in die Zukunft neben der Organisation des bekannten Wettkampfbetriebs innovative Angebote, die den neuen Bedürfnissen der Bevölkerung entgegenkommen.

Bei den Turnern haben sich im Rahmen des breitgefächerten Angebotes z. B. die Bereiche Nordic-Walking, Aerobic und Jazz & Modern Dance (mit Meisterschaftsteilnahmen) als fester Baustein etabliert.

Innerhalb des Fitness-Bereiches prägt sich beispielsweise verstärkt der Kampfsportbereich als eigene Gruppe heraus, die unter professioneller sportlicher Leitung –Weltmeistertitelträger– im Jahr 2008 die erste internationale Landesmeisterschaft in Gevelsberg durchführt.

Mittlerweile hat sich im Rahmen der Voraussetzungen des Behindertensportverbandes die nunmehr 9. Abteilung gegründet. Die Bereiche Fitness und Rehabilitation runden seit Mitte 2007 das Vereinsangebot ab. Zahlreiche Ärzte und Krankenkassen kooperieren mit dem Verein. Diese Arbeit hat den Sportfreunden Eintracht Gevelsberg viel Anerkennung eingebracht, bis hin zur Würdigung als „Verein der Woche“ im Rahmen des lokalen Radiosenders. SEG ist nicht nur eine bekannte Marke, sondern steht auch für das Motto „SEinfach Geht’s“.

Konsequent weiter

Der Rehabilitationssport entwickelt sich zu einem wichtigen Standbein, der in den Anfängen leider nur in den Räumen des Fitnessbereiches angeboten und durchgeführt werden konnte. Die erfolgreiche Umsetzung der Konzeption und die erfreuliche Entwicklung der Mitgliederzahlen führen zu einem neuen Raumkonzept der Turnhalle Neustr., in der sich auch die Geschäftsstelle der SEG befindet. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen der in der Sporthalle trainierenden Gruppen Rechnung zu tragen, wird ein separater Reha-Bereich mit eigenem Gerätepark geschaffen.

Das Raumkonzept und die Optimierung des Angebotes werden konsequent weiterentwickelt. Dies führt dazu, dass die Turnhalle Neustr. zu einem Therapiezentrum ausgebaut wird. Ab Mitte Juli 2010 bietet ein kompetentes Physiotherapeutenteam entsprechende Leistungen an, die Sport, Prävention und Rehabilitation vereinen.

Abgerundet wird das Gesamtkonzept durch die in der Vereinsgeschichte erstmalige Schaffung eines Ausbildungsplatzes. Ab dem 15. August 2010 startet die Ausbildung zum Sport– und Fitnesskaufmann/-frau bei der SEG. Über das Vorhaben wurde überregional in der Presse und im Radio berichtet.

Gevelsberg, 2008–2010